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MARIENVESPER in Graz (A)

Konzerte Konzerte

Termindatum: Sonntag, 18. Mai 2003 Startzeit: 20:00h
Enddatum: Sonntag, 18. Mai 2003 Ende: 22:30h

MARIENVESPER

Am 18. Mai 2003, 20.00 Uhr, wird im Dom zu Graz die berühmte MARIENVESPER / Vespro della Beata Vergine (1610) von Claudio Monteverdi aufgeführt.

Monteverdi-SängerInnen aus England werden als SolistInnen mitwirken: Faye Newton und Jenny Hansell, Sopran / Andrew King und Joseph Cornwell, Tenor.

Weiters zu hören: Thomas Wasserfaller (Tenor), die Domkantorei Graz, die Capella Leopoldina auf historischen Originalinstrumenten und die Schola Gregoriana.

Die musikalische Leitung hat Domkapellmeister Josef M. Doeller inne, der dieses Werk zuletzt vor 10 Jahren mit großem Erfolg in Graz aufgeführt hat.

"Mit ihren prachtvollen Chören, den berührenden Concerti und den zeitlos schönen Texten aus dem biblischen Hohenlied der Liebe zählt die Marienvesper zu den markantesten Werken der Kirchenmusik überhaupt", so Josef M. Doeller.

LEBEN ZWISCHEN GLÜCK UND LEID

Claudio Monteverdi

1610 war in Venedig Monteverdis Marienvesper erschienen, ein Werk des damals 44-jährigen Komponisten, der in ganz Italien bereits hohes Ansehen genoß. Privat hatte er allerdings einige Schicksalsschläge zu verkraften: Wenige Jahre zuvor, 1607, war seine Frau Claudia Cattaneo verstorben; Monteverdi blieb mit seinen beiden 3 und 6 Jahre alten Söhnen zurück. 1608 starb auch Caterina Martinelli, eine junge Sängerin, in die der Komponist große Hoffnungen gesetzt hatte. Zudem drückte ihn viele Jahre die Sorge um das finanzielle Auskommen, da sich der Mantuaner Hof als sehr zahlungsunwillig zeigte. Die Prunksucht Vincenzo Gonzagas verschlang Unsummen, gespart wurde bei den Angestellten. In einem Beschwerdebrief schrieb Monteverdi, dass ihn das "Elend tagaus tagein überwältigt" und er "kein Gegenmittel weiß". Mit siebenunddreißig Jahren war Monteverdi bereits ein verbitterter und kranker Mann; denn zunehmend reagierte sein überanstrengter Körper auf die rastlose Tätigkeit, aber auch auf das ungesunde Klima Mantuas mit Schwächeanfällen und Krankheiten. So schrieb er in einem Brief von 1604: "...ich bin noch so erschöpft von früheren Anstrengungen und so schwach, daß ich weder durch Medizin, noch durch Diät, noch dadurch, daß ich die Arbeit aufgab, zu alter Kraft wiederhergestellt bin, auch wenn ich es zeitweise glaubte. Nichtsdestotrotz hoffe ich, mich mit Gottes Hilfe wieder zu erholen..." Man vermutet nun, daß die Marienvesper eigentlich nicht für Mantua bestimmt war, sondern Papst Paul V. gewidmet gewesen sein soll. Mit einer Anstellung am päpstlichen Hof hätte Monteverdi der elenden Situation in Mantua entrinnen können. Dieser Wunsch erfüllte sich jedoch nicht. Es kam vielmehr schlimmer: 1612 wurde Monteverdi entlassen. Nach 22 Jahren Hofdienst in Mantua stand einer der bekanntesten Komponisten Italiens auf der Straße. Doch sollte er bereits ein Jahr später eine Anstellung erhalten, die ihm beste Arbeitsbedingungen, finanzielle Sicherheit und gesellschaftliche Anerkennung garantierte: Er wurde Kapellmeister an S. Marco in Venedig und hatte damit die für einen Musiker angesehenste geistliche Anstellung außerhalb Roms inne. Für Nikolaus Harnoncourt, der viel zur Wiederentdeckung Monteverdis beigetragen hat, ist Claudio Monteverdi eines der größten Genies der vergangenen Jahrhunderte, seine Musik voll "Vitalität und Glut". Seine Marienvesper, könnte man fortführen, voller Liebesglut - ein großartiges Werk, das bis heute fasziniert.

Maria

Die Mutter Jesu und ihr Leben zwischen Glück und Leid zählt zu den beliebtesten Motiven der christlichen Kunst und forderte Künstler aller Stilepochen heraus. Maria mit dem Jesukind ist neben der Kreuzigung Christi das am häufigsten dargestellte Thema überhaupt. Durch ihre Nahbeziehung als Mutter Jesu ist Maria die bedeutendste Fürsprecherin der Menschen. Die Verehrung der Gottesmutter setzte bereits sehr früh ein. Die Kunst kennt die unterschiedlichsten Darstellungen der Gottesmutter: alleine oder mit Kind, in Einzeldarstellungen oder in Lebenszyklen, thronend, stehend, liebkosend, beschützend oder leidend.

Rachauer Madonna

Die wertvolle Holzstatue im Diözesanmuseum Graz, die wir für das beigefügte Fotomotiv wählten, stammt aus der Rachau und entstand um 1520, d.h. etwa 100 Jahre vor Monteverdis Marienvesper. Maria steht auf einer Mondsichel. Ihre überirdische Schönheit wird im Hohenlied Salomons (6,2) und auch in der Lauretanischen Litanei mit Sonne und Mond verglichen. Sie trägt ein enges Kleid mit Mantel, das in Schüsselfalten herabfällt. Ihr Haar ist lang und gewellt, auf dem Kopf trägt sie eine Krone mit 3 Kreuzblumen. In ihrer linken Hand hält sie das nackte Christuskind am linken Bein fest. Das Kind hält in seiner linken Hand einen Apfel. Der Blick Marias geht in die Ferne...

Musikalische Feinheiten bei der Interpretation der Marienvesper

Von Monteverdis Marienvesper gibt es keine originale Partitur. Sie ist nur in einem von ihm überwachten Stimmendruck überliefert. Um nun dem Werk im Sinne einer historischen Aufführungspraxis gerecht zu werden, legt die Capella Leopoldina, die auf historischen Originalinstrumenten musiziert, ihr Augenmerk auf folgende Besonderheiten, um Monteverdi und dem Geist seiner Zeit in möglichst hohem Maße gerecht zu werden:

spielt die Capella Leopoldina in einer hohen Stimmung = 466 Hz (Halbton über heutigem a / 440 Hz)
in mitteltöniger Temperierung (= historisch korrekte Stimmung)
erfolgt aufgrund historisch belegter Notationen eine Transponierung von "Laude" und "Magnificat" um eine Quart nach unten
ist für 1.)-3.) ein besonderes Instrumentarium und eine besondere Spieltechnik notwendig; eine Herausforderung, der sich Jörg Zwicker und seine Capella Leopoldina stellt!
Monteverdis MARIENVESPER: in Kürze zu hören im Grazer Dom.

Wir laden herzlich ein.

Gertraud Schaller-Pressler

Foto: Michael Schaller (Josef M. Doeller (links), Rachauer Madonna (Mitte), Jörg Zwicker / Leiter der Capella Leopoldina (rechts))

Wir danken dem Diözesanmuseum Graz.

Mag.Dr. Gertraud Schaller-Pressler
KIRCHEN KULTUR GRAZ
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Claudio Monteverdi: MARIENVESPER. Vespro della Beata Vergine (1610). 18. Mai 2003, 20.00 Uhr, Dom zu Graz.
Mit Jenny Hansell, Faye Newton, Andrew King, Joseph Cornwell, Thomas Wasserfaller, Domkantorei Graz, Capella Leopoldina, Schola Gregoriana. Leitung: Josef M. Doeller. Näheres unter www.graz-seckau.at.